Friedrich-Hecker-Gymnasium Radolfzell
Green Day 2009 - Gentechnik
„ […] Erst der Mensch in seinem Wahn
hat solche Türe aufgetan:
Er ändert Gene, zwingt sie rein:
greift in den Kern des Lebens ein!“

Mit diesem Gedicht verdeutlicht Hans-Peter Lendle am diesjährigen Greenday 2009 am FHG mit welcher Gewalt der Mensch zum eigenen Vorteil in das Erbgut eingreift. Diese Methode der Gentechnik wurde ursprünglich entwickelt, um in Nutzpflanzen der Agrarwirtschaft Resistenzen gegen beispielsweise Schädlinge einzubauen und somit höhere Erträge zu sichern. Auch im Pharmaziebereich werden Medikamente mit Hilfe von genveränderten Bakterien hergestellt. Für einen Laien mag dies zunächst verlockend klingen, da er als Verbraucher seine Vorteile daraus zieht: So bedeuten schneller wachsende und schädlingsresistente Nutzpflanzen einen größeren Ertrag zu geringen Preisen. Doch so großartig und einfach ist das alles nicht!  Denn Mutter Natur durchkreuzt die Pläne des Menschen, alles nach seinem Belieben zu verändern –mit fatalen Folgen…

Denn trotz des wissenschaftlichen Fortschritts, kann der Mensch die Folgen bei einer Genveränderung nicht überschauen. Auch wenn die Pflanze schlussendlich die erwünschte Eigenschaft vorweist, ist offen, was zusätzlich verändert wurde und welche Auswirkungen dies mit sich bringt. Ein Gen kann nämlich bis zu 30.000 Funktionen haben!  Kritisch zu beurteilen sind auch die möglichen gesundheitlichen Folgen, mit denen der Verbraucher rechnen muss. Wenn er Mais mit einem eingebauten Antibiotika-Resistenzgen essen würde, könnten diese Gene im Darm von krankheitserregenden Bakterien aufgenommen werden. Diese Bakterien sind dann unempfindlich gegen das Medikament und können nicht mehr bekämpft werden. Nicht nur auf den Menschen, auch auf Tier und Natur sind die Auswirkungen der Gentechnik verheerend. So reduzierte beispielsweise genverändertes Futter die Fruchtbarkeit von Kühen und Schweinen und etliche ökologisch angebaute Pflanzen wurden durch die schädlingsresistenten GV-Pflanzen verdrängt, worunter auch der Bio-Bauer leidet.
Durch das sogenannte ‚Patent auf Leben’ (Genforscher verlangen Patentrecht auf ihr GV-Material) werden die Bauern ordentlich zur Kasse gebeten. Füttert der Bauer seine Nutztiere mit GV-Futter, erheben Konzerne wie Monsanto nicht nur Anspruch auf das Futter, sondern auch auf Tier und Nachkommen. Damit nicht genug: das Monster Gentechnik ist unaufhaltsam. Durch Wind und Wetter kontaminieren und befallen GV-Samen Felder von Öko-Bauern und werden zu unschuldigen Opfern. Dank der Gentechnik werden Missernten zur Seltenheit und somit führen die daraus resultierenden Dumping- Preise den Bauern Schritt für Schritt in den Ruin.

Durch diese drastischen Beispiele hat Lendle die Schüler dazu aufgefordert, die Augen vor der problematischen Situation der Gentechnik nicht zu verschließen. Sie betrifft uns alle und es muss verhindert werden, dass wir eines Tages nicht mehr zwischen gentechnischen und natürlichen Produkten wählen können. Letztendlich bleiben uns mittlerweile nur noch zwei Möglichkeiten, diesen tragischen Verlauf aufzuhalten. Der beste Schutz wäre ein radikales Verbot von Gentechnik seitens der Politik. Aber auch wir Verbraucher haben die Macht in die verheerende Entwicklung einzugreifen. Durch bewussten Verzicht auf „verseuchte“ Produkte, können wir die Nachfrage nach solchen erheblich senken. Aber entscheidende Voraussetzung für dieses Machtmittel ist die Freiheit aus gekennzeichneter Ware (Bio- oder gentechnisch veränderten Produkten) auszuwählen.

Durch Poesie, Witz und einer Prise Selbstironie gelang es Hans-Peter Lendle sowohl Schüler als auch Lehrer durch die Bank hindurch gebannt zuhören zu lassen. Das eigentlich komplexe Thema machte er mit Hilfe einer gut ausgearbeiteten und anschaulichen  Power – Point – Präsentation für jeden verständlich. In seinem dreißigminütigen Vortrag verdeutlichte er den Ernst der Lage und die Dringlichkeit schnellstmöglich zu handeln. Sein Engagement, Menschen über dieses Thema aufzuklären und gegen Gentechnik anzukämpfen, wurde durch tosenden Beifall seitens der Zuhörer gewürdigt.


Elisabeth Koblitz und Margarete Neumüller, 13a

 
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